Ferien ohne Urlaub
Ferien ohne Urlaub
Jedes Jahr im Sommer, wenn die große Reisewelle anrollt und Millionen von Deutschen mit ihren Autos oder mit dem Flugzeug in die Ferien reisen, dann gibt es auch ein paar Millionen, die das nicht tun. Viele Familien können es sich finanziell einfach nicht leisten für zwei Erwachsene und Kinder eine Urlaubs-Reise zu bezahlen. Auch wenn Fliegen immer billiger wird, eine Flugreise in der Hauptsaison bekommt man nicht zum Schnäppchenpreis. Da muss man ordentlich was hinblättern. Auch eine Ferienwohnung für 10 Tage oder 2 Wochen kann das Budget einer knappen Haushaltskasse sprengen. Selbst das Zelten auf einem Zeltplatz ist fast so kostspielig wie eine Ferienwohnung oder ein Zimmer in der Pension. Wenn die Erwachsenen vielleicht noch darüber stehen und sich sagen, „vielleicht klappt es nächstes Jahr“, die Kinder sehen das anders. Sie hören von ihren Klassenkameraden und Freunden, dass es nach Mallorca, Sardinien, Sylt, Borkum oder Rügen geht aber sie müssen zuhause bleiben.
Sie sind traurig und versuchen mit ihren Eltern doch noch irgend eine Urlaubs-Aktion herauszuhandeln. Meist hat das keinen Zweck, aber es gibt in erstaunlich vielen Gemeinden Deutschlands Ferienangebote von Wohlfahrtsverbänden wie Caritas oder Arbeiterwohlfahrt und auch von den örtlichen Kirchengemeinden. Da ist dann Platz genau für die Kids, die sonst zuhause bleiben müssten. Stadtranderholungen zum Beispiel sind beliebt, die kosten für die Eltern meist gar nichts, aber es wird auch richtig verreist. In Zeltlager oder in Jugendgästehäuser. Das sind sogenannte Ferienfreizeiten mit Jugendleitern und ehrenamtlichen pädagogischen Helfern. Meist geht es in landschaftlich schöne Gegenden, wo man sich gut in der Natur aufhalten kann und die Kinder sich mal richtig austoben können. Auch diese Reisen müssen bezahlt werden. Aber es gibt für solche Maßnahmen in der Regel Finanzhilfen von Städten und Gemeinden, so dass am Ende für die Familien vielleicht noch 100 bis 150 Euro zu zahlen bleiben. Auch das kann für manche Eltern einfach nicht machbar sein und für diesen Fall gibt es häufig noch mal Zuschüsse bis hin zur kompletten Kostenübernahme. Da ist dann die Freude bei den Kindern, die hier noch einen Platz bekommen haben, natürlich riesig. Nach Norderney, St. Peter Ording, in den Bayerischen Wald, an den Chiemsee oder in den Schwarzwald mit einer Gruppe gleichaltriger Kids zu fahren ist für sie hundert Mal besser als zuhause auf der Straße zu versauern, wo doch die meisten Freunde nicht zuhause sind. Der Transport der Kinder wird in der Regel mit Bussen organisiert. Die Veranstalter werden rechtzeitig Reisebusse mieten, denn in der Ferienzeit kann es da schon mal eng werden. Auch die Erwachsenen fahren nämlich gerne mit dem Bus in den Urlaub. Pauschalreisen mit dem Bus – die sind zwar nicht subventioniert, aber sie machen Spaß. Da brauch man kein Navi, muss man sich um nichts kümmern und kommt trotzdem genau da an, wo man hin will.
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